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Foto: Universität Paderborn, Adelheid Rutenburges

Jenny Aloni (NL 800)

Zur Person

Die Schriftstellerin Jenny Aloni wird am 7. September 1917 als Jenny Rosenbaum in Paderborn geboren, wo sie schon in jungen Jahren mit dem Schreiben beginnt. Die Reflexion über ihre Identität als Jüdin, aber auch als Frau und als Schreibende im aktuellen Zeitkontext, bestimmt den literarischen Werdegang von Jenny Rosenbaum, der bereits in ihrer Jugend beginnt. Nach Erfahrungen von Antisemitismus und Ausgrenzung wendet sie sich schon als Jugendliche dem Zionismus zu. Als 17-jährige verlässt sie im Frühjahr 1935 das katholische „Oberlyzeum St. Michael“, um sich in einem Hachschara-Lager auf die Auswanderung vorzubereiten. Ende November 1939 kann sie im Alter von 22 Jahren das nationalsozialistische Deutschland verlassen und nach Palästina emigrieren.

Der Neubeginn im fremden Land ist nicht einfach. In ihren Tagebuchaufzeichnungen sowie in ihren Gedichten, die in dieser Zeit den Schwerpunkt ihres literarischen Schaffens bilden, haben Verlusterfahrung, Einsamkeit und Fremdheit merklichen Einfluss. Doch als Zionistin ist Jenny Rosenbaum mit dem festen Willen nach Palästina gekommen, sich zu integrieren und am Aufbau des jüdischen Staates aktiv zu beteiligen. Daneben ist Jenny Rosenbaum in ständiger Sorge um ihre in Deutschland lebenden Angehörigen, die der nationalsozialistischen Verfolgung ausgesetzt sind. Als Jenny Rosenbaum nach 1945 vom Tod ihrer Eltern und Schwester erfährt, wird die Sorge abgelöst durch ein schweres Gefühl der Schuld – der Schuld überlebt zu haben. Diese Auseinandersetzung begleitet weiterhin ihr Leben und Schreiben. Spätere Erzählungen wie beispielsweise „Kristall und Schäferhund“, „Begegnung“ und „Die braunen Pakete“ verarbeiten den Nationalsozialismus und sein Nachwirken.

Entgegen mancher anfänglicher Fremdheitsgefühle und der konfliktreichen Gegenwart wird Palästina, ab 1948 der junge Staat Israel ihr neues Zuhause. Sie heiratet 1948 Esra Aloni, 1950 kommt ihre Tochter Ruth zur Welt. Das Leben in der neuen Heimat wird ein zentrales Motiv in ihrem Werk. In den 1960er-Jahren gilt Jenny Aloni mit Werken wie dem Roman „Zypressen zerbrechen nicht“ und dem Erzählband „Jenseits der Wüste“ in Deutschland als bedeutsame Stimme Israels. Ihre Geburtsstadt Paderborn ehrt die 49-jährige Schriftstellerin 1967 mit dem Kulturpreis.

Danach gerät sie in Vergessenheit. Als Prof. Dr. Dr. Friedrich Kienecker und Prof. Dr. Hartmut Steinecke an der Universität-Gesamthochschule Paderborn ab den 1980er-Jahren mit der Herausgabe ihrer Werke beginnen, verhelfen sie der Schriftstellerin zur erneuten literarischen Anerkennung. Dadurch werden die Person Jenny Aloni, ihr Werk und auch die Editions-Werkstatt, das 1992 an der Hochschule gegründete Jenny-Aloni-Archiv, überregional bekannt. Zwei bedeutsame Auszeichnungen werden Jenny Aloni 1991 verliehen: der „Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis“ des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe sowie der „Droste-Preis“ für Schriftstellerinnen der Stadt Meersburg, der sich gleichfalls auf die Schriftstellerin Annette von Droste-Hülshoff bezieht. Zwei Jahre später, am 30. September 1993, stirbt Jenny Aloni im Alter von 76 Jahren in Ganei Yehuda.

Zum 100. Geburtstag hat Prof. Dr. Hartmut Steinecke eine Biographie verfasst, die unter dem Titel „Um zu erleben, was Geschichte ist, muss man Jude sein“. Jenny Aloni – eine deutsch-jüdische Schriftstellerin“ das Leben der Literatin einfühlsam nachzeichnet und ihr Werk erläutert.

Der Nachlass und das Jenny-Aloni-Archiv

Die Arbeiten Alonis sind weitgehend ediert, gleichfalls ihre Tagebücher und zahlreiche Briefe, wie beispielsweise der Briefwechsel mit dem Schriftsteller Heinrich Böll. Weitere Lebensdokumente sowie ihre Manuskripte, Handschriften, Notizbücher und Werkfragmente sind in ihrem persönlichen Nachlass überliefert. Einschließlich der Tagebücher und Gedichttagebücher umfasst der persönliche Nachlass über hundert lebensgeschichtliche Dokumente, über 650 Briefe, über 1.200 Werke und Werkmanuskripte sowie einen kleinen Sammlungsbestand mit fast 50 Verzeichnungseinheiten. Als erweiterter Nachlass sind der Schriftwechsel und die Unterlagen der Editionsarbeiten, das genannte Jenny-Aloni-Archiv, zu bezeichnen. Die Unterlagen des Jenny-Aloni-Archivs schließen das Schriftgut mit ein, das sich aus der Tätigkeit der 1996 gegründeten „Gesellschaft zur Förderung des Jenny-Aloni-Archivs“ ergeben hat. Dieses Material setzt sich aus einem umfangreichen Schriftwechsel, einer ausführlichen Dokumentation über die Rezeption von Jenny Alonis Werk sowie aus Materialien zu Veranstaltungen zusammen und ergibt mit dem persönlichen Nachlass einen Bestand von insgesamt über 1.600 Verzeichnungseinheiten. Die Fotos, die der analogen Fotosammlung des Universitätsarchivs (9/900) zugeordnet wurden sowie den Dias in der Diasammlung (9/902), ergeben einen Umfang von etwa 300 Bildern. Es handelt sich um Familienfotos von Jenny Aloni sowie um Fotos, die während der Editionsarbeiten sowie bei Veranstaltungen des Jenny-Aloni-Archivs bzw. der Fördergesellschaft aufgenommen wurden. Die Qualität der Bilder ist sehr unterschiedlich, der Erhaltungszustand macht teilweise eine Restaurierung erforderlich.

Die Verzeichnung

Mit der Übernahme des Nachlasses – des persönlichen Nachlasses von Jenny Aloni und der Unterlagen des Jenny-Aloni-Archivs bzw. der Fördergesellschaft – in das Universitätsarchiv Paderborn wurden die Unterlagen in der Archiv-Datenbank verzeichnet. Die ausführliche Verzeichnung, in der Regel Einzelblattverzeichnung, wurde dabei beibehalten, wie sie auf der Webseite „Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen“ online verfügbar und recherchierbar ist.

Die Verzeichnung in die Datenbank des Universitätsarchivs leistete von Oktober 2015 bis September 2016 der Literaturwissenschaftler Dr. Elias Flügge.

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